Tonfall
Geschrieben von woodpeckar am Dienstag, 16. August 2011
In ländlichen Regionen ist es allgemein üblich, dass Fahrgäste, die einen der Regionalbusse betreten oder verlassen, grüßen und das Fahrpersonal ebenso grüßt. Ganz besonders natürlich, wenn man häufiger oder gar regelmäßig diese Verkehrsmittel nutzt – aber eben nicht nur dann.
In der Großstadt ist der Gruß in aller Regel selten zu hören und setzt meist voraus, dass sich die beteiligten Fahrgäste und Fahrer zumindest vom häufigen Sehen kennen. Um so mehr schätze ich es, dass auf der Linie 118 - dem Schienenersatzverkehr für die Linie 19 und 18 zwischen Hauptbahnhof und Gondrellplatz - diese nette und freundliche Geste auch ohne die Bedingung “den kenne ich” gepflegt wird.
Insbesondere der Fahrer von heute morgen hat auf eine so eine freundliche und gleichwohl verbindliche Art seine zusteigenden Fahrgäste angelächelt und begrüßt, dass sich – zumindest während ich mitgefahren bin – kein Fahrgast einer Erwiderung des Grußes entziehen wollte.
Ein klitzekleines Stück Freundlichkeit kann zu einem wundervollen Start in den Tag werden.










Neuperlach sagte
Es ist tatsächlich eine interessante Frage, wo es angebracht ist, zu grüßen. Im ländlichen Bereich ist es auch nicht unüblich, Fremde, die einem bei einer Wanderung begegnen, zu grüßen. Wobei meine Bereitschaft zu grüßen, zunimmt, je einsamer die Gegend wird und je geringer die Rate an Leuten ist, denen man überhaupt begegnet.
In meiner Wohnanlage grüße ich alle Leute, die gerade in mein Haus hineingehen oder aus diesem herauskommen. Auch wenn es offenbar unseriöse Vertreter sind, was sich dann oft ein paar Sekunden später bemerke. (Bei der hohen Fluktuation im Haus kennt man nicht alle Leute.) Oft wird nicht zurückgegrüßt, was ich als leicht unangenehm empfinde. Beim Einsteigen in einen Stadtbus grüße ich nur selten. Ab 21 Uhr, wo man vorne einsteigt, um die Karte vorzuzeigen, ergibt sich ein Gruß, da man ja mit dem Fahrer zwangsläufig in Kontakt kommt. Zumindest ein “Bitte” bei der Handbewegung, die die Karte in Richtung Fahrer bewegt, entweicht mir immer. Viele Fahrer sind aber offenbar so frustriert von ihrem Job (in dem sie von Fahrgästen beschimpft und für Verspätungen verantwortlich gemacht werden), dass sie auf einen Gruß nicht reagieren. Der “Rückgruß” ist dann oft nur eine Mimik, die besagt “Ich bin grantig, Deine Karte interessiert mich nicht, Du scheinst eine zu haben, das reicht mir, also geh’ weiter”.